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Ghost Stories» Forums » Reviews

Subject: Einer für alle, alle für einen rss

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mbmbmb
"Die Menschen sind gut, nur die Leute sind schlecht." Dieses Zitat Erich Kästners bringt die Dichotomie des menschlichen Daseins auf den Punkt. Wir sind Egoisten und Altruisten zugleich: mal selbstsüchtig, mal selbstlos, mal behandeln wir unsere Zeitgenossen als Rivalen, ein andermal als Kooperationspartner.


In meiner heutigen review möchte ich mich der faszinierenden Welt der Kooperativen Spiele zuwenden. Die Vielfalt der mittlerweile auf dem Markt befindlichen Co-opers ist groß. Full co-op, semi co-op oder Spielmeister gegen Spielgruppe.


Letztere Idee ist durchaus schon etwas älter und findet sich in Spielen wie Hero Quest oder dem etwas neueren und sehr umfangreichen Descent wieder. Ebenso kann man hier die sehr beliebten pen & papers zu zählen. In dieser Variante des kooperativen Spiels übernimmt ein Spieler die Rolle des Meisters, der sich gegen eine Gruppe von Abenteurern behaupten muss, diese widerrum versuchen ein vor dem Spiel benanntes Ziel zu erreichen.

In semi co-op Spiele hingegen spielen alle Spieler gemeinsam gegen das Spiel, doch letztendlich kann nur einer von ihnen siegreich aus dem Spiel hervorgehen. Soll heißen, sie müssen im Verlauf des Spiels miteinander arbeiten, um das Spiel besiegen/beenden zu können aber jeder für sich verfolgt das Ziel am Ende als derjenige da zu stehen, der beispielsweise die meisten Siegpunkte hat und somit alleiniger Gewinner ist. Eins meiner beliebtesten Spiele in dieser Kategorie ist Cutthroat Caverns .
"Without teamwork, you will never survive. Without betrayal, you’ll never win." (Ohne Teamarbeit, wirst Du niemals überleben. Ohne Verrat, niemals gewinnen.) ... Dieser Leitspruch auf der Verpackung bringt den Sinn hinter dieser Art von Co-oper für mich am besten auf den Punkt.

Schlussendlich aber und das ist auch mein Grund für diese review, möchte ich mich den sogenannten full co-op Spiele zuwenden. Diese Art von Spiel ist noch nicht so alt oder besser noch nicht so lang gesellschaftsfähig. Auch mir kam der Gedanke gegen ein "hirnloses" Brettspiel mit meiner Spielegruppe zu spielen, hirnrissig vor. Wie sollte Pappe und Plastik gegen 4-5 vernünftig, strategisch und taktisch denke Menschen eine Chance haben. Wie überhaupt sollte das spielmechanisch machbar und möglich sein, ohne unfair oder langweilig zu werden.
Gehemmt von alle diesen Fragen und Zweifeln, kam es mir nie in den Sinn, mich für diese Art Spielmechanik zu interessieren. Doch stolperte ich irgendwann über das oben erwähnte Cutthroat Caverns und war von der Idee überwältigt.
Als alter pen & paper Hase gefiel mir die Idee gemeinschaftlich in ein Dungeon zu gehen und dort Seite an Seite mit meinen Verbündeten das Böse auszulöschen. Immer mit dem Hintergedanken am Ende als der Eine das Spiel zu beenden. Regeln, Material und Spielbarkeit schienen überragend zu sein. Viele Beurteilungen des Spiels, die ich lesen bzw in Videos sehen konnte, lobten das Spiel.
Also legte ich es mir zu und teste es in meiner Gruppe. Alle waren durchaus begeistert und somit war für mich klar, ich müsse umbedingt ein rein kooperatives Spiel besorgen.
Gesagt, getan. Ab vor den PC und ins Internet, schauen was der Markt so hergibt. Und wie ich eingangs schon erwähnte gibt es mittlerweile eine wirklich große Auswahl an Kooperativen Spielen. Also welches nehmen. Alle, ein paar oder erstmal nur eins. Der Sammler in mir schrie nach allen aber die Vernunft siegte zum Glück mal wieder. (Schnell schnell aber schöööööön langsam). Immer diese Stimmen ...
Schlussendlich kamen drei Spiele in die enger Wahl: Pandemie, Schatten über Camelot und Ghost Stories. Tagelang kämpfte ich mit mir. Immer mehr und mehr Beurteilungen, Vergleiche und Videos wurden gesichtet und ich kam zu dem Schluss ... kauf sie einfach alle. Oh wie befriedigend war der Gedanke an das Paket, das ankommen würde und in welchem 3 funkelnagelneue Spiele darauf warteten, ausgepackt zu werden. Aber wieder diese Stimmen ... *stöhn*
Also wieder ins Internet, wieder lesen, schauen und vergleichen UND tadaaaa. Ich und meine inneren Stimmen konnte es nicht glauben, ich traf eine finale Entscheidung. Ausschlaggebend war letztendlich das Thema. Es wurde Ghost Stories.

Sternenklare Nacht, leichte Nebelschwaben wabern über das Land, ein Kauz ruft ... plötzlich zerreißt ein markerschüttender Schrei die klare kalte Nacht.
In Ghost Stories übernehmt ihr die Rolle eines Taoisten, der mit seiner Gruppe von bis zu 4 Mönchen versucht, ein kleines Dorf irgendwo im Reich der Mitte vor den bösen Krallen des Wu Feng zu beschützen. Dieser versucht an seine Urne zu gelangen, die vor Jahrhunderten auf dem Friedhof dieses Dorfes begraben wurden. Um die Willens- und Abwehrkraft von euch und der Dorfbewohner zu brechen, schickt Wu Feng seine Untergebenen vor. Eine Ausgeburt von grausamen Geistern, die nichts anderes im Sinne haben, als euch und die Dorfbewohner zu beseitigen, um ihrem Herren den Weg zur Urne frei zu machen.
Allein bewaffnet mit eurem Mut, eurem Glauben und einer besonderen Kraft, stellt ihr euch der Bedrohung und versucht Wu Feng daran zu hindern, die Urne in Besitz zu bekommen und somit wieder ins Leben zurück zu kehren.
Diese Geister werden durch einen Kartenstapel repräsentiert. Die elfte Karte von unten von diesem Stapels ist in der einfachsten Variante Wu Feng. Ziel ist es nun sich durch den Kartenstapel bis hinunter zu Wu Feng zu kämpfen oder besser gesagt zu verteidigen, um schlussendlich dem eigentlichen Grauen gegenüber zu stehen und es zu besiegen.
Das Spielfeld besteht aus neun einzelnen quadratischen Feldern, die jeweils eine Örtlichkeit im Dorf darstellen. Diese werden gemischt und in zufälliger Reihenfolge in drei Dreierreihen zu einem Quadrat ausgelegt. Nun kommt an jede der vier Seiten ein Spieletablett eines Taoisten, die damit den Rahmen des Spielfeldes bilden.
Die Spielfigur jedes Taoisten wird auf das mittlere Feld des Dorfes gestellt, jeder bekommt Qi-Marker (Lebenspunkte), ein Yin Yang Zeichen und je nach Schwierigkeitsgrad ein bestimmte Anzahl an Taomarkern. Der Rest des Spielmaterials wird zur Seite gelegt und bildet die Bank. Nun kann es losgehen.
Das Spiel wird im Uhrzeigersinn reihum gespielt. Die Runde des aktiven Spielers unterteilt sich in zwei Phasen: 1. Yin-Phase (Geister) und 2. Yang-Phase (Taoisten)

1. Yin-Phase:
Zuerst überprüft er, ob sich auf seinem Taoistentablett Geister befinden, die eine "permanente" Macht haben. Diese kommen nun zur Anwendung. Dann überprüft er, ob alle drei Geisterfelder auf seinem Tablett besetzt sind. Ist dies der Fall, verliert er sofort einen Qi und zieht keinen neuen Geist, sollte mindestens noch ein Feld frei sein, zieht er vom Geisterstapel eine Karte und bringt sie ins Spiel.

2. Yang-Phase:
Nun ist er selber an der Reihe und darf als allererstes seinen Taoisten im Dorf um ein Feld bewegen (auch diagonal). Dann darf er einen Dorfbewohner (Dorffeld) um Hilfe bitten ODER eine Austreibung durchfuhren. Sollte er in einer früheren Runde ein Buddha aufgenommen haben, darf er diesen nun als letzte Handlung noch ins Spiel bringen.

Damit endet die Runde und der nächste Spieler ist an der Reihe. Dies wird solange gemacht, bis entweder Wu Feng den geschickten Angriffen der Taoisten unterliegt und endgültig stirbt (Sieg der Taoisten) oder einer der Folgenden Situationen eintritt:
a) Alle Taoisten werden getötet.
b) Drei der neun Dorffelder werden verbannt, verhext, verflucht (umgedreht)
c) Die letzte Karte wird vom Geisterstapel gezogen.
Dies bedeutet die Taoisten und das Dorf sind dem Fluch des Wu Feng erlegen und das Spiel gewinnt.

Hört sich langweilig und einfach an ... weit gefehlt. Die Geister haben alle böse Mächte, die einem das Leben wirklich schwer machen. Das einbringen der Geister erfolgt nach klaren Regeln, soll heißen, das man nicht immer Einfluss darauf hat wo bzw bei wem der nächste Geist auftaucht. Gutes planen und kombinieren der Taoisten-Fähigkeiten mit den Sonderfähigkeiten der Dorfbewohner (Dorffelder) ist unabdingbar. Das Spiel ist brutal schwer und verzeiht kaum einen Fehler. Um den Schwierigkeitsgrad zu regulieren, gibt das Spiel 4 Schwierigkeitstufen vor (Anfänger, Normal, Albtraum und Hölle).
Um das Spiel etwas abwechslungsreicher und unberechenbarer zu gestalten, gibt es nicht nur eine sondern zehn verschiedene Inkarnationen von Wu Feng. Zu Beginn wird verdeckt eine davon gezogen, so das man sich nicht von Anfang an darauf einstellen kann, was einen nach einer harten Schlacht gegen Wu Fengs Schergen zur Endschlacht erwartet.

Ich könnte natürlich nun im einzelnen darauf eingehen, welche Fähigkeiten die vier Taoisten oder die Dorfbewohner haben. Mit welchen fiesen Tricks die Geister versuchen den Auftrag ihres Herren zu erfüllen. Aber ich denke das das zum einem schon ausführlich in den verschiedensten Foren geschehen ist und es vielen sicher Spass machen wird, das selber zu erleben/erfahren.
Ghost Stories ist sicher nicht das eingängiste aller Co-op Spiele auf dem Markt. Die Regeln sind zwar sehr gut geschrieben und ausreichend mit Beispielen und Bildern bestückt aber grad beim ersten Spiel muss man sich erstmal an die Zeichen, Fähigkeiten und den Spielablauf gewöhnen.
Wenn dann wie in meiner Spielegruppe auch noch das erstemal ein full cooper auf dem Tisch ist, fällt es nochmals etwas schwerer sich an des Gefühl zu gewöhnen, die Welt nicht im Alleingang retten zu müssen, sondern in der Gruppe gemeinsam das Ziel zu erreichen. Auch hierbei sei gewarnt. Entscheidungen sollten in der Gruppe gefällt werden ABER letztendlich liegt die letzte Entscheidung bei einem selber. Es sollte nicht passieren, das sich einer zum Wortführer/Anführer herauskristallisiert und das Spiel für alle anderen mitspielt, dann wird es sehr schnell frustrierend und langweilig. Traut euch was, diskutiert, erörtert und versucht gemeinsam die bestmöglich Entscheidung zu treffen.
Wenn euch das gelingt, werdet ihr sicher mindestens genauso viel Spass an Ghost Stories oder anderen full coopern haben wie wir.

Und sollte euch das Grundspiel dann irgendwann langweilig werden ... auch da gibt es Abhilfe. Mit Ghost Stories: White Moon ist mittlerweile eine hervorragende Erweiterung erschienen, die das Spiel um viele Zusatzmöglichkeiten erweitert (zB Dorfbewohner, Artefakte, neue Geister etc).
Solltet ihr euch also nicht vor der Herausforderung fürchten, ein etwas schwereres Spiel in Angriff nehmen zu wollen, die Thematik Geister im Reich der Mitte mögen und Spass am gemeinsamen Gewinnen haben, solltet ihr Ghost Stories auf jeden Fall eine Chance geben und es eurer Spielesammlung hinzufügen.

GHOST STORIES

Spieleranzahl: 1 - 4 (spielt sich meiner Ansicht nach mit 4 am besten)
Spielzeit : ca 60 Minuten
Alter : 12 Jahre +
Mechanik : kooperatives Spiel, variable Spielerkräfte, Würfeln

Erweiterungen: Ghost Stories - White Moon


Verspielte Grüße euer Landralon
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Marcel Wizard
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Osnabrück
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mbmbmbmbmb
Danke für dein Review!

Ich finde kooperative Spiele sehr interessant aber leider sind aus irgendeinem Grund die meisten (wie auch Ghost Stoties) recht teuer. Daher habe ich bisher nur Die Verbotete Insel und Saboteur in meiner Sammlung.
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Masa kari


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mbmbmbmbmb
Ghost Stories lohnt sich auf jeden Fall, selbst das Basis-Spiel bietet viel.
Ich hab mit den Erweiterungen und der Spielbox inkl. Mini-Erweiterung ca. 100 EUR augsgegeben aber dafür das zig-Mal mehr gespielt als jedes andere Spiel außer Carcassonne und Stone Age (nur wegen der Schmuck und Handel- Fan-Erweiterung) vielleicht.

Wenn man den Unterhaltungswert nimmt 2*9 EUR Kino = 18 EUR ... das sind ca. 5-6 Filme = max. 15Stunden.
Bei Ghost Stories spielen wir mit allem was drin ist ca. 2,5 Stunden und das haben wir sicher schon 50 mal gespielt = 125 Stunden für 100 EUR ... und das bleibt

Bei vielen Spielen kann ich verstehn wenn man es nicht mag, bei Ghost Stories absout nicht.
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Germany

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mbmbmbmbmb
Schöne Review, hat mir Ghost Stories auf jeden Fall schmackhafter gemacht als bisherige englische Reviews, die ich gelesen habe.

Landralon wrote:
Schlussendlich aber und das ist auch mein Grund für diese review, möchte ich mich den sogenannten full co-op Spiele zuwenden. Diese Art von Spiel ist noch nicht so alt oder besser noch nicht so lang gesellschaftsfähig. Auch mir kam der Gedanke gegen ein "hirnloses" Brettspiel mit meiner Spielegruppe zu spielen, hirnrissig vor. Wie sollte Pappe und Plastik gegen 4-5 vernünftig, strategisch und taktisch denke Menschen eine Chance haben. Wie überhaupt sollte das spielmechanisch machbar und möglich sein, ohne unfair oder langweilig zu werden.

Tja, hirnlos nur, wenn es schlecht ist. Für unfair oder langweilig gilt das gleiche.
Ghost Stories zeigt wohl, das es auf jeden Fall anders geht, ebenso wie das von mir geliebte Gears of War: The Board Game, das auch in die Kategorie "knackig, aber machbar" gehört.
Ich poste mal hier schamlos den Link zu meiner Review zu Gears of War:
[German] Mit Munitionsmangel gegen die Locust-KI
 
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