Daniel Danzer
Germany
Stuttgart
southwest
flag msg tools
designer
badge
Avatar
mbmbmbmbmb
Stimmvieh wurde vor 16 Jahren zum ersten mal veröffentlicht, Spieleautorin Andrea Meyer entschied sich nun für eine verbesserte Neuauflage und eine Finanzierung über die deutsche Crowdfunding-Plattform „startnext“. Ich habe sie gefragt, ob sie mir „Print and Play“-Material zukommen lassen könnte, und sie schickte mir pdf-Dateien zum Ausdrucken. Ich hab e es nun einige Male in verschiedenen Gruppen gespielt und möchte kurz meine Eindrücke wiedergeben, basierend auf dem PnP-Material (die Fotos sind keine Situationen aus realen Partien).

Material:
Stimmvieh ist ein reines Kartenspiel – es gibt je 9 Kandidaten mit Einflusswerten von 1 - 9 in 4 Farben / Parteien (rosa, schwarz, olive, rot) 24 Spendenkarten mit Werten zwischen 50.000 und 200.000 Euro, 17 Stimmenkarten mit Werten von 15.000 bis 30.000. Die Spenden- und Stimmenkarten weisen ebenfalls eine Zahl zwischen 1 und 9 auf, die den Einfluss bezeichnet, der erforderlich ist, um diese Karte zu erwerben. Es gibt noch einige zusätzliche Karten zur Organisation sowie Übersichten über Anzahl und Werte der im Spiel befindlichen Spenden- und Stimmenkarten.

Anmerkung: Die Version 2014 ist mit großformatigen Spielkarten (7 x 11 cm) geplant, die Kandidaten werden u.a. reale Portraits von Unterstützern des Projekts im Obama-Wahlplakat-Stil mit satirischen Wahlslogans sein – im Prototyp sind es lediglich generische Gesichter.


Überblick:
Das Spiel ist für 3 oder 4 Spieler und dauert ca. 20 - 30 Minuten. Der Kernmechanismus besteht darin, dass ein Spieler am Zug eine Stimmen- oder Spendenkarte nimmt – Sieger ist der Spieler, der bei Spielende die höchste Gesamtsumme an Spenden hat (Geld gewinnt!), allerdings verdoppeln die beiden Spieler mit den meisten und zweitmeisten Stimmen wiederum ihre Spenden vor der Endwertung!

Ein zweiter Mechanismus flankiert diesen Kern: Bei Spielbeginn teilt jeder Spieler seine Karten auf: 4 legt er als Spitzenkandidaten offen vor sich ab, die anderen 5 behält er als Hinterbänkler auf der Hand. Nachdem ein Spieler nun eine Karte genommen hat, wird die Auslage mit einer Spenden- bzw. Stimmenkarte ergänzt abhängig davon, welche Sorte von Kandidat der Spieler gespielt hat . Auf diese Weise beeinflusst er die erhältlichen Karten für die nachfolgenden Spieler.

Spielvorbereitung:
- jeder Spieler wählt eine Fraktion/Farbe und erhält alle 9 Kandidaten sowie eine Karte, um die 4 Spitzenkandidaten zu kennzeichnen.
- Die Spenden- und Stimmenkarten werden getrennt gemischt, dann 4 zufällige Spendenkarten als Reihe ausgelegt. Die restlichen Karten bilden jeweils einen offenen Zugstapel an Spenden-, bzw. Stimmenkarten.


Spielaufbau bei 4 Spielern

Anmerkung: Bei 3 Spielern gibt es einen „Dummy-Spieler“ /“Angela“), der wie ein normaler Spieler behandelt wird. Seine Entscheidungen sind aber nicht zufällig, sondern werden reihum von den Spielern getroffen, so dass jeder Spieler 3 Mal den Zug von „Angela“ ausführt.

Spielablauf:
Zuerst einmal wählt jeder Spieler 4 seiner 9 Kandidaten aus und legt sie verdeckt vor sich ab. Dann decken alle Spieler diese Karten auf und legen sie als offene Reihe neben der „Spitzenkandidaten“-Karte vor sich aus.

Nach Auswahl der „Spitzenkandidaten“

Der Spieler, dessen Spitzenkandidaten insgesamt den größten Einfluss haben, ist der Startspieler. Dieser beginnt mit seinem Zug, danach geht das Spiel im Uhrzeigersinn weiter, bis 9 Runden gespielt wurden.
Ein Spieler am Zug muss eine seiner Karten spielen und auf einen von zwei Ablagestapeln legen: Spitzenkandidaten auf einen Ablagestapel neben dem Stimmen-Zugstapel, Hinterbänkler auf einen Ablagestapel neben dem Spenden-Zugstapel.
Jetzt kann der Spieler eine der 4 in einer Reihe ausliegenden Spenden- oder Stimmenkarten nehmen (nicht die oberste Karte eines Zugstapels!), die dieselbe oder eine niedrigere Zahl an notwendigem Einfluss aufweist. Der Spieler sammelt ausgesuchte Karten vor sich in zwei getrennten Stapeln, so dass der Wert der letzten Karte und die Anzahl an Stimmen-, bzw. Spendenkarten für alle Spieler sichtbar ist.
Anschließend wird die Auslage mit einer Spenden- oder Stimmenkarte aufgefüllt. Hat der Spieler einen Spitzenkandidaten gespielt (und neben den Stimmenstapel gelegt), wird die oberste Stimmenkarte der Auslage hinzugefügt, wenn er einen Hinterbänkler gespielt hat (neben den Spendenstapel), wird die oberste Spendenkarte der Auslage hinzugefügt.


Das ist alles.

Kann der Spieler keine Karte nehmen (weil er z.B. nur noch Karten mit niedrigerem Einfluss hat, als die ausliegenden erfordern), oder will er keine nehmen, spielt er nur eine Karte aus, nimmt aber keine von der Auslage.

Spielende:
Nach 9 Runden sind alle Karten ausgespielt, zählen die Spieler separat ihre Stimmen und Spenden.
Die beiden Spieler mit den meisten und den zweitmeisten Stimmen verdoppeln nun ihre Spenden!
Der Spieler, der jetzt die meisten Spenden hat, gewinnt das Spiel.

Spielreiz:
Der Spaß beim Spiel entsteht meines Erachtens durch die Interaktion und Kommunikation. Natürlich gibt es hier auch taktische Überlegungen, da zum Beispiel Karten mit niedrigeren Einflusswerten ein besseres „Preis-Leistungsverhältnis“ haben, oder einige Karten gleich viele Stimmen bringen, aber unterschiedlich viel Einfluss benötigt wird ... doch das Spiel „leuchtet“ und ist ganz bei sich bei den Diskussionen zwischen den Spielern, die sich automatisch beraten und darüber debattieren, was zu tun – und was tunlichst zu lassen ist!
Die Spannung ist von Beginn an hoch – und steigert sich permanent. Die Auswahl der Spitzenkandidaten ist bereits tricky, auch wenn die erste Auswahl erhältlicher Karten schon offen ausliegt. Und die Frage, was zu tun ist, wenn eine sehr attraktive Karte oben auf einem Stapel liegt, die man den anderen direkt zu Füßen (in die Auslage) legen würde, wenn man die beste Karte für die eigenen Pläne jetzt nähme, ist wunderbar spekulativ.


Zielgruppe:

Das Spiel richtet sich an Erwachsene, die gerne kommunizieren, lachen, und ein bisschen einfache Rechnerei nicht scheuen.

Fazit:
Das Spiel hebt sich meines Erachtens durch die Kombination von geteilten eigenen Karten, geteilten Karten zum Sammeln und der geteilten Endwertung ziemlich von anderen Spielen ab. Unterm Strich ein sehr cleverer „Filler“ mit wunderbar satirischem Touch.
Die 3-Spieler-Lösung funktioniert tadellos, da der Dummy-Spieler nicht zufällig agiert, sondern abwechselnd durch die Spieler gesteuert wird – in meiner einzigen 3er-Partie bisher wurde „Angela“ übrigens zweite, zur allgemeinen Überraschung. :-D

Momentan läuft das Projekt noch auf startnext - aber nur noch bis Montag, den 21. Juli.
http://www.startnext.de/en/stimmvieh
1 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
S. R.
Germany
Mainz
Rheinland-Pfalz
flag msg tools
It's a fearful thing, to fall into the Hands of the Living God!
badge
Tell me, have you found the Yellow Sign?
Avatar
mbmbmbmbmb
Frage: Warum Kommunikation?
Okay, es ist natürlich Diskussionsbasis, was ich durch meine Aktionen dem nächsten (oder gar übernächsten) Spieler ermögliche. Aber das ist mEn auch der einzige Kommunikations-Grund. Und der muss eigentlich nicht diskutiert werden...
...da man also von Spieles wegen nicht auf Kommunikation bauen muss (insbesondere, wenn die Leute am Tisch ohnehin mitdenken) - wo siehst Du da die große kommunikative Komponente, die Spieler "freiwillig" mitbringen?

Und dann noch ein Hinweis:
Bei der Photo-Legende muss es unter #b "80.000 Spenden" heißen, und im letzten Absatz "...oder eine weitere Stimmenkarte".
 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Daniel Danzer
Germany
Stuttgart
southwest
flag msg tools
designer
badge
Avatar
mbmbmbmbmb
Ups - Foto geändert.
Du hast schon recht - zwingend ist die Kommunikation nicht. Ich denke aber, dass eine reine stillschweigende Grüblergruppe nicht unbedingt die Zielgruppe ist. Daher mein Hinweis auf Spieler, die eher kommunikativ sind, damit dieses Element auch zum Tragen kommt.
1 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
United States
Wurtsboro
NY
flag msg tools
admin
designer
badge
We always have time for the things we put first.
Avatar
mbmbmbmbmb
Moved to Stimmvieh: Ihr habt die Wahl!
 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Front Page | Welcome | Contact | Privacy Policy | Terms of Service | Advertise | Support BGG | Feeds RSS
Geekdo, BoardGameGeek, the Geekdo logo, and the BoardGameGeek logo are trademarks of BoardGameGeek, LLC.