Recommend
9 
 Thumb up
 Hide
5 Posts

Scythe» Forums » Reviews

Subject: Scythe – Fazit nach den ersten 5 Partien rss

Your Tags: Add tags
Popular Tags: [View All]
Gerald Rüscher
Germany
Paderborn
flag msg tools
badge
Brettspieler
Avatar
mbmbmbmbmb
Originalbericht hier:
Mittwochsspielen: Scythe – die ersten Partien




Ohne Zweifel: Mit 80€ ist Scythe das teuerste Einzelspiel, dass die unsere Runde bis dato erworben haben. Da wollen wir mal hoffen, dass das Spiel seinen hohen Kaufpreis auch rechtfertigt. Nach 5 Partien kann nun ein erstes Zwischenfazit gezogen werden. Struktur und Regeln wiederhole ich nicht, wer mag, kann dies in unserem Vorbericht nochmal auffrischen. Wenden wir uns also direkt den Spielerfahrungen zu.



Was für eine Art Spiel ist Scythe? Ein Kampf- und Eroberungspiel? Ein Ressourcenmanagementspiel? Ein Erkundungsspiel? Oder doch etwas ganz anderes?

Zunächst: Trotz der martialischen Mechs scheint Scythe deutlich weniger aggressiv zu sein, als vermutet. Kämpfe um Ressourcen oder Land sind eher die Ausnahmen, zumeist geht es nur darum, durch einen Sieg im Kampf einen der 6 Sterne ablegen zu dürfen. Viel wichtiger bei den Mechs ist, dass sie zum einen nützliche Transporter sind und zum anderen, dass ihr Bau wichtige Fähigkeiten freischaltet, allen voran die Verbesserung unserer Bewegungsoptionen. Erst nach zwei gebauten Mechs können wir das Brett komplett und in angemessener Geschwindigkeit bereisen. Ein Kampfspiel ist Scythe also definitiv nicht.



Aber auch die Ressourcenoptimierung in Scythe ist weniger ausgeprägt als zunächst gedacht. Das liegt daran, dass jeder Kauf von Mechs, Rekruten, Gebäuden und Entwicklungen eine unmittelbar positive Auswirkung hat und jede dieser Dinge mit genau einem Ressourcentyp gekauft werden kann. Es lohnt sich daher kaum, Ressourcen von langer Hand anzusparen. Viel schneller und besser ist, ein von-der-Hand-in-den-Mund Spiel, bei dem wir Waren zügig erwirtschaften und ebenso schnell wieder investieren. Es gibt keine Warenketten, keine Lagergrenzen, keine variablen Verwendungsmöglichkeiten. Was man hat, hat man und gibt es möglichst sofort wieder aus. Scythe ist also auch kein wirkliches Ressourcenmanagementspiel.

Spielertableau zu Beginn des Spiels

Nach einigen Zügen

Kommen wir zum Erkundungsaspekt: Der Anführer zieht über den Plan und darf dort die sog. Begegnungskarten aufdecken. Nach kurzer Zeit wird klar: alle diese Karten folgen dem exakt gleichen Muster: (A): Gewinne wenige Waren und Ansehen. (B): Zahle Geld und gewinne mehr Waren. (C): Zahle Ansehen und gewinne viel Waren. Die schicken Grafiken trösten darüber ein wenig hinweg, aber letztendlich sind hier keine Überraschungen zu erwarten. Begegnungskarten sind also kaum mehr als simple Einnahmequellen.



Was also liegt hier vor uns? Meine Intepretation: Im Kern ist Scythe ein Wettrennen (genauso wie Euphoria und Viticulture vom gleichen Autor). Die auf den Plan gelegten Sterne sind nicht die einzige, aber wichtigste Siegpunktquelle. Wer am schnellsten alle 6 Sterne auf den Plan bekommt, hat tendenziell die Nase vorn. Es geht bei Scythe also darum, die verschiedenen Aspekte aus Erkundung, Kampf und Ressourcenmanagement möglichst effizient und zügig umgesetzt zu bekommen. Zentral ist dabei, dass man auf einem Feld des Spielertableaus im Idealfall zwei Aktionen auslösen kann. Nur wer diese optimal hintereinander puzzlet und diesen Synergieeffekt möglichst oft ausnutzt, hat eine Chance auf den Sieg. Scythe ist also eine Art Zehnkämpfer, der nichts optimal, sondern alles ein bisschen macht.

Zu guter Letzt: wie variabel ist Scythe? Die Antwort fällt auch hier eher ernüchternd aus: nicht sehr. Natürlich gibt es asymmetrische Spielerfähigkeiten und 1-2 weitere variable Faktoren, aber nach 4 Partien schält sich zumindest bei mir eine Art Standarderöffnung heraus, die i.W. darauf zielt, möglichst zügig die eigenen Bewegungsoptionen zu verbessern. Zugegeben: Es wird hier vermutlich noch andere brauchbare Vorgehensweisen geben, aber ich behaupte mal, dass deren Gesamtzahl eher überschaubar ist. Und an dieser Stelle muss ich natürlich jetzt den Vergleich zum dem 2016er Schwergewicht „Terraforming Mars“ ziehen, wo die Spielverläufe erheblich abwechslungsreicher sind.



Scythe ist ein gutes Spiel. Ob es sehr gut ist, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, die Tendenz geht aber (sehr vorsichtig) zu „eher nicht“. Den exobitanten Preis rechtfertigt es nicht durch seinen Spielwert, sondern durch seine umwerfende Ästhetik, kombiniert mit einer wunderbaren Haptik. Die Grafiken der Karten, die Spielertableaus mit ihren versenkten Ablagepositionen sind ganz großes Kino, von den Mech- und Anführerfiguren ganz zu schweigen. Und ganz nebenbei wurden die Farben bei Scythe so gewählt, dass auch Leute mit Farbwahrnehumgsproblemen locker mitspielen können (was ein betroffener Mittwochsspieler auch prompt bestätigte). Hut ab!

Fazit: Das starke Thema, die tolle Grafik und der auf jeden Fall mehr als solide Spielwert hat den Kauf von Scythe unterm Strich gerechtfertigt. Nummer #1 im Bereich Schwergewichter 2016 bleibt bei uns aber …naja … ihr wisst schon
15 
 Thumb up
0.25
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Timmi T.
Germany
Brandenburg
flag msg tools
badge
Avatar
mbmbmbmbmb
Danke,
für eine auf jeden Fall mehr als solide Brettspielbewertung.

Was die meisten der für dich enttäuschenden Punkte betrifft, gibt es in unserer Gruppe eine verschiedene Auffassung, die ich fairer Weise gern teilen möchte.


Wir hatten mittlerweile > 40 Spiele und bei uns geht es auch ordentlich zur Sache.
Das "Kalte-Krieg"-Gefühl ist zwischen den tatsächlichen Kämpfen (im Schnitt 2 pro Spieler: und sei es nur aus Rache devil) die ganze Zeit präsent.
Da muss man echt zweimal nachdenken / mit dem Nachbarn verhandeln(?) bevor man einzelne Einheiten auf dem Spielbrett parkt.
Bestechungen sind übrigens im Sinne des Autors, erwünscht und nicht im Geringsten bindend.
Also, Taschentücher bereit halten.

Zu Beginn jedes Spiels - beim Ziehen einer Kombination aus Charakter und Spieler-Matte - sollte zudem eine Gehirnzelle zu viel verbrannt werden, um später einigermaßen effizient von der Halbinsel zu kommen.
Ich glaube, mit einer Art Standarderöffnung hat man hier eher das Nachsehen oder bekommt halt richtig eine vor'n Latz dafür.
Es sind auch schon Spiele dabei, in denen ein Mitspieler erst gar keinen Mech gebaut oder Spezialisten ausgebildet hat, usw. - was nicht heißt, dass man deshalb nicht gewinnen würde!

Selbes gilt für das Rennen um die 6-Sterne - wir haben erst spät angefangen die Statistiken aufzuschreiben, aber das Verhältnis Spielsieg zu 6-Sterne liegt bei ca. 50/50.

Naja, so halt halt jeder seine Emotionen.
Letztendlich scheint hier viel von der Spielgruppe abzuhängen, bzw. inwieweit man sich in die Optimierung der vielen kleinen Rätsel hineinsteigern will. Deiner Kritik hinsichtlich fehlender Variabilität und Spieltiefe möchte ich aber gern widersprechen dürfen.
3 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Gerald Rüscher
Germany
Paderborn
flag msg tools
badge
Brettspieler
Avatar
mbmbmbmbmb
Stannis the King wrote:
Deiner Kritik hinsichtlich fehlender Variabilität und Spieltiefe möchte ich aber gern widersprechen dürfen.

Das freut mich ehrlich gesagt, denn natürlich haben wir Scythe noch nicht abgeschrieben und "wollen es mögen" Vielleicht relativiert sich meine Meinung mit den nächsten 5 Spielen. Uns ist halt nur aufgefallen, dass es uns nicht so geflasht hat wie eben Terraforming Mars.
 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Pierre
Germany
flag msg tools
mbmbmbmbmb
gruescher wrote:
Zu guter Letzt: wie variabel ist Scythe? Die Antwort fällt auch hier eher ernüchternd aus: nicht sehr. Natürlich gibt es asymmetrische Spielerfähigkeiten und 1-2 weitere variable Faktoren, aber nach 4 Partien schält sich zumindest bei mir eine Art Standarderöffnung heraus, die i.W. darauf zielt, möglichst zügig die eigenen Bewegungsoptionen zu verbessern. Zugegeben: Es wird hier vermutlich noch andere brauchbare Vorgehensweisen geben, aber ich behaupte mal, dass deren Gesamtzahl eher überschaubar ist.


Ich habe verschiedene Ansätze ausprobiert, und meist durchaus Erfolg gehabt - wenn schon kein Sieg, so war es meist zumindest ein knapper zweiter Platz. Z.B.:
- Die Enlist-Boni priorisieren und so frühzeitig von den Bottom Row-Actions der Mitspieler und einem selbst profitieren.
- Arbeiter produzieren und dann mit Volldampf auf Produktion gehen (kombiniert mit Enlist eine mächtige Kombo)
- Voll auf Upgrades konzentrieren, bevor man sich ausbreitet oder gar den Fluss überquert. Das spart später Kosten für die anderen Aktionen.
- usw.

Es gibt viele Wege nach Rom (oder zur Fabrik). Sich frühzeitig auszubreiten habe ich persönlich noch nicht als die optimale Strategie erlebt. Ich denke, primär profitiert Polania von einer ausgebauten Bewegungsaktion, um die Encounter effizient abgrasen zu können.
 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Joel Schuster
Germany
Bretten
Baden-Württemberg
flag msg tools
badge
Avatar
mbmbmbmbmb
Ich hab erst 5x gespielt, aber 5x gewonnen

Es lässt sich wenig Pauschalisieren. Enlist kann gut sein, aber nicht zwangsläufig. Die Playermats haben ja unterschiedliche Verteilungen. Wenn ich für Enlist als Aktion keine Münzen bekomme lasse ich es sein.

Mein Fokus liegt immer auf der Aktion die 3 Münzen bringt. Die Verteilung ist ja so dass auf 4 der 5 Bögen es immer eine Aktion mit 0, eine mit 1, eine mit 2 und eine mit 3 Münzen gibt. Der 5. Bogen hat dann noch eine 0,2,2,2 Verteilung auf die bottom row actions.

Wenn man das nicht beachtet tut man sich generell schwer meine ich. Dahingehend sollte auch die anfängliche Ausbreitung stattfinden um die notwendigen Resourcen zu akquirieren.

Die Frabrikkarte ist nett aber nicht essentiell. Meist habe ich das komplett ignoriert. Wäre zwar schon gern rein, war aber zu aufwendig.

Hohe popularity ist natürlich sehr wichtig. Bisher habe ich noch keinen Sieg gesehen bei dem der Wert niedrig war.

Am Ende ist etwas timing erforderlich sich noch auf möglichst viele Gebiete der Karte auszubreiten um gut zu punkten.

Im Laufe des Spiels hatte ich durch oben genannten Fokus immer schon 30 oder mehr Münzen akkumuliert.

Frohes Zocken.
 
 Thumb up
 tip
 Hide
  • [+] Dice rolls
Front Page | Welcome | Contact | Privacy Policy | Terms of Service | Advertise | Support BGG | Feeds RSS
Geekdo, BoardGameGeek, the Geekdo logo, and the BoardGameGeek logo are trademarks of BoardGameGeek, LLC.