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Roderich Billermann
Germany
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Da stelle mer uns janz dumm‘ – eine Besprechung von „Holy Roman Empire“, One Small Step 2015

1. Fazit I
Vor einem Kauf des 2015 publizierten Spieles „Holy Roman Empire“ (fortan: HRE) wird gewarnt. Weder als Spiel, geschweige denn als Simulation des dreißigjährigen Krieges – eine solche behauptet es im Untertitel zu sein („Multi-Player Game of the Thirty Years War“) - kann es überzeugen. Abgesehen von der untervermietbaren Box ist sein Spielmaterial wenig ansprechend und z.T. unzulänglich. Seine Mechanismen, sofern nach mehrfacher Lektüre der inzwischen in Version 1.5. (!) vorliegenden „Regeln“ erahnbar, sind ungelenk, teilweise widersprüchlich und/oder haben kaum Entsprechung in irgendeiner realen bzw. historischen Welt: Wer etwas über den Dreißigjährigen Krieg erfahren möchte, ist etwa mit einer beliebigen Star Trek-Folge besser bedient. Mit erschütterndem Erfolg hat M. McLaughlin, der als Designer hier sein Spiel gleichen Titels (seinerzeit bei 3W) nach mehr als dreißig Jahren (!) wiederaufnimmt, so wenig dazugelernt, dass sogar die Druckfehler übernommen wurden.
Sollte jemand Lust verspüren, dieses hier zivil wie zurückhaltend formulierte Urteil im Detail nachzuvollziehen, so lese er den folgenden Text. Die beiden nächsten Abschnitte gehorchen der Konvenienz, verstehen sich als Service-Leistung und geben dem Rezensenten die Chance, sein (angelesenes) Wissen auszubreiten, haben jedoch mit dem Spiel allenfalls assoziativ zu tun: HRE besitzt keinen geschichtlichen Bezug.

2. Historischer Kontext I: Der Krieg und seine Folgen
Die bis 1939 „mit Abstand traumatischste Epoche der deutschen Geschichte“ (Parker), der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), bestand aus mindestens vier Kriegen (man kann bis zu 13 Kriege und zehn Friedensschlüsse zählen), deren Bezeichnungen nicht die jeweiligen Gegner meinen, sondern prominente (neue) Kriegsteilnehmer. Grob unterscheiden lassen sich
- der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618-23), eine Erhebung der böhmischen Stände gegen ihren österreichischen Landesherrn und künftigen Kaiser, ihre Niederlage unter dem zum neuen böhmischen König gewählten Kurfürsten Friedrich von der Pfalz und die Besetzung seiner Erblande durch Spanien und die Katholische Liga im Auftrag des Kaisers;
- der Niedersächsisch-Dänische Krieg (1625-29): Die Niederlande, England und Frankreich errichten mit Hilfe des Dänenkönigs Christian IV. (der sich als Herzog von Holstein auch auf deutsche Standeskollegen aus Niedersachsen stützen konnte) eine zweite Front. Nach Christians Niederlage (1626) und der Ausdehnung kaiserlicher Macht bis zur Ostsee durch Wallenstein (den Schiller als Friedensfürst feierte) begann 1630 mit der schwedischen Landung der Siegeszug des schwedischen Königs Gustav II. Adolf (der für Schiller ein gefährlicher Thronräuber war);
- der Schwedische Krieg unter Anschluss der protestantischen Reichsstände, die nach dem Tod Gustav Adolfs jedoch 1635 mit dem Kaiser den Prager Frieden schlossen;
- der Schwedisch-Französische Krieg (ab 1635): Frankreich verhinderte durch offenen Kriegseintritt die schwedische Niederlage gegen die vereinte Macht der Habsburger und des Reiches; der Konflikt, der sich jetzt noch bis 1648 hinzog, war nunmehr ein Kampf europäischer Mächte in Deutschland geworden.
Zunächst war der Dreißigjährige Krieg ein religiöser wie zugleich politischer Konflikt. Beim Streit um die Frage, ob sich die Bildung eines organisierten Staates in Deutschland auf der Ebene des Reiches oder auf der Ebene der Fürstentümer vollziehen sollte, unternahm Kaiser Ferdinand II. (1619-1637), „einer der kühnsten und gradlinigsten Politiker, den die Habsburger jemals hervorgebracht haben“ (Wedgwood), den letzten Versuch, die lange schon vorgezeichnete Entwicklung der Kleinstaaterei abzuwenden zugunsten einer Akzentuierung der Zentralmacht auf Kosten der Fürstenmacht; naturgemäß verliefen hier die Konfliktlinien anders als im religiösen Konflikt. Hier stand der Kaiser quasi allein gegen die auf Autonomie bedachten Fürsten, die sich zu Sachwaltern der „teutschen libertet“ erklärten. Jenseits dieser politischen Dimension spielten die konfessionellen Konflikte eine nicht zu unterschätzende Rolle, die nach dem Augsburger Religionsfrieden wieder aufbrachen, verschärft insbesondere durch das Hinzutreten des Calvinismus, der die lutherischen Sachsen bis 1631 auf die Seite des Kaisers trieb, und dessen Missachtung des „geistlichen Vorbehalts“, also der Verfügung, kein Kirchenfürst dürfe bei einem Übertritt zum Protestantismus seine Länder behalten. Dass der Krieg mit den katholischen Protagonisten Ferdinand II. und Maximilian I. von Bayern im Zeichen der Gegenreformation stand, ist bis heute vorherrschende Lehrmeinung. Wenngleich der Dreißigjährige Krieg also gewiss nicht nur, aber doch wesentlich als Religionskrieg zu betrachten ist, ließ das Bündnisverhalten der Kriegsgegner an konfessioneller Konsequenz zu wünschen übrig: Er war kein Kampf der Katholischen Liga gegen die Protestantische Union, da die konfessionspolitisch heterogene, mehrheitlich calvinistische Union bei Kriegsbeginn bereits zerfiel und die Lutheraner bald sich mit den Kaiserlichen, dann mit den Calvinisten verbündeten. Vor allem aber griff Frankreich ab 1635 konfessionell sozusagen auf der falschen Seite ein. Dass solche gemischtkonfessionellen Bündnisse eine „den Krieg entkonfessionalisierende Eigendynamik“ (Burkhardt) entfalteten, wird nicht zuletzt im Friedensschluss deutlich: Während der Kaiser in Münster mit Frankreich verhandelte, traf er sich in Osnabrück mit den Schweden, was den innerkatholischen und den interkonfessionellen Frieden zumindest symbolisch getrennt ließ. Neben der das Reich bzw. seine staatliche Organisation betreffenden und der religiösen Dimension ist auf die europäische Dimension des Krieges hinzuweisen: Einerseits war er Teil des (1648 noch keineswegs beendeten) Kampfes der Habsburger um die Vorherrschaft in Europa, andererseits Teil eines umfänglicheren Kampfes für oder gegen einen europäischen, auf der Solidarität gleichkonfessioneller Staaten beruhenden Universalismus mit dem Papst und dem Kaiser als den Hauptrepräsentanten, einen Universalismus, der zwar religiöse Solidarität beschwor, aber zugleich die Frage nach dem Vorrang in der katholischen Christenheit aufwarf – neben den Habsburgern blieb auch der Papst Kandidat für die katholische Führerschaft, weswegen er die Bayern unter Maximilian immer etwas lieber unterstützte als Ferdinand II.; Urban VIII. ging zeitweilig sogar auf deutliche Distanz zu den katholischen Habsburgern. Das kriegsverlängernde Verhängnis indes war zweifellos die Verwandtschaft der spanischen Königsfamilie mit der Familie des Kaisers: Der Kaiser rief den König von Spanien zur Hilfe gegen die, die sich ihm widersetzten; und die Fürsten rächten sich, indem sie sich an die Feinde Spanien wandten, vor allem an Frankreich, und so Deutschland zum „Schlachtfeld für ausländische Rivalen“ (Wedgwood) machten.
Ganz allgemein bleibt festzuhalten, dass man es beim Dreißigjährigen Krieg weder mit einem dynastischen Krieg (wie HRE glauben machen möchte) noch mit einem Staatenkrieg zu tun hat, sondern mit einem „Staatenbildungskrieg“ (Burkhardt), bei dem kein funktionierendes Staatensystem interagierte, sondern in welchem sich Konstituierungskonflikte dieses Staatensystems zu einem Krieg zuspitzten. Wollte man einen Sieger dieses Krieges küren, so war es in geringerem Maße Schweden, zweifelsohne aber Frankreich, dessen Aufstieg zur europäischen Vormacht wesentlich im Misserfolg Habsburgs gründete: Die spanischen Habsburger mussten die Niederlande nun endgültig in die Unabhängigkeit entlassen, andere Gebiete spanischer Herrschaft bröckelten ab, so dass am Ende nur noch ein nationalstaatliches Spanien verblieb. Außerdem zerfiel die spanisch-österreichische Hauseinheit, da der Kaiser den Westfälischen Frieden als Sonderfrieden schloss und seine spanische Verwandtschaft noch zehn weitere Jahre allein gegen Frankreich kämpfen ließ. Mit dieser Abdankung des habsburgischen Universalismus war der Weg frei für ein Europa souveräner Einzelstaaten. Im Norden Deutschlands entstand aus dem Kurfürstentum Brandenburg und dank der im Westfälischen Frieden hinzugewonnenen Territorien mit Preußen ein modern verwalteter, protestantischer Staat mit schnell wachsender Armee. Im Süden konzentrierten sich die Habsburger nach dem Scheitern ihres Versuches, das Heilige Römische Reich zu einer Zentralmonarchie umzugestalten, wieder auf ihre österreichisch-ungarischen Erblande. Der hieraus erwachsende Vielvölkerstaat bildete sozusagen das katholische Gegengewicht zu den protestantischen Hohenzollern.
Der als Garant europäischer Stabilität im 17. und 18. Jahrhundert (z.B. von Rousseau) gefeierte Westfälische Friede regelte die innerdeutschen Konflikte so, dass es nie wieder zu Glaubens- und Eroberungskriegen der Habsburger kam; die Landesfürsten erhielten die Landeshoheit zuerkannt und konnten im Reichstag ohne Einmischung des Kaisers über Steuern, Verteidigung, Gesetze usw. beraten. Religionsfragen wurden nunmehr durch „gütlichen Vergleich“ zwischen Kaiser und Papst geregelt. Dennoch brach nach solcher Säkularisierung der Politik keine Epoche des Friedens an: Sogar die Sieger – Frankreich und Schweden – führten sechzig weitere Jahre Krieg mit ihren Nachbarn, wobei Konfessionen allerdings keine zentrale Rolle mehr spielten.
Trotz guter Quellenlage ist ein eindeutiges Bild über die (regional stark differierenden) Auswirkungen des Krieges kaum zu gewinnen: Zwar kann man Hunderte von entvölkerten oder stark geschrumpften Dörfern und Städten benennen, aber auch Hunderte von Städten und Dörfern, die ganz oder fast unversehrt blieben, so dass die lange gehegte Annahme, der Krieg habe mehr als die Hälfte der Bevölkerung verschlungen, nicht haltbar ist. Im Heiligen Römischen Reich lebten vor dem Krieg ca. 20 Mio. Menschen, 1650 ca. 16-17 Mio.; schon um 1700 wurde der Vorkriegsstand wieder erreicht. Die gleichwohl spürbare demographische Rezession war indes weniger auf Kriegshandlungen zurückzuführen als auf „morts indirects“ (Bogdan), d.h. auf Nahrungsmittelknappheit und Epidemien (z.B. auf die Beulenpest von 1634). Noch schwieriger ist eine Einschätzung der wirtschaftlichen Kriegsfolgen, obschon weithin (Ausnahmen bilden hier Hamburg und Bremen) von einem Rückgang der wirtschaftlichen Tätigkeit auszugehen sein dürfte. Viele Städte verschuldeten sich durch Lösegelder oder Kontributionen, die sie oftmals erst nach Jahrzehnten zurückgezahlt hatten; in weiten Landesteilen brach die landwirtschaftliche Produktion völlig ein. Dennoch vertritt die Forschung heute die These, der ökonomische Verfall habe nach dem „Boom“ des 16. Jahrhunderts bereits vor dem Krieg eingesetzt und sich während des Krieges, aber nicht primär durch den Krieg verschärft. Die gravierendsten sozialen wie psychologischen Folgen des Konfliktes waren vermutlich einerseits die Entstehung eines Nationalbewusstseins (wiewohl es den Diplomaten in Münster und Osnabrück noch um Territorial-, nicht um Nationalstaaten ging) und die Ausbildung eines ‚typisch‘ deutschen Charakterzuges, des Gehorsams gegenüber der Obrigkeit. Nach dem Krieg waren viele Deutsche nur allzu bereit, sich jeder Form der Autorität zu unterwerfen, wenn sie nur Sicherheit und Schutz versprach.

3. Historischer Kontext II: Militärgeschichtliche Aspekte
Selbst über das Aussehen der Soldaten lassen sich keine zuverlässigen Auskünfte gewinnen, da es ihnen trotz Ansätzen zur Vereinheitlichung und Massenproduktion zumindest eingangs freigestellt war, welche Bekleidung sie trugen. Die Vielfältigkeit der Truppen – oftmals umfasste eine einzelne Militärformation Söldner, die zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Ländern angeworben worden waren – ließ eine Standardisierung kaum zu. So wurden bestimmte Erkennungszeichen vereinbart, um in der Schlacht Freund und Feind unterscheiden zu können (die Soldaten der Habsburger etwa trugen oft eine rote Feder oder rote Binde). Viele der Soldaten waren es nicht freiwillig, sondern (z.B. in Schweden) durch Konskription ausgehobene, im Verlaufe des Krieges immer jüngere Bauern, was (nicht nur dort), so Parker, zu einer „untragbaren Entvölkerung“ geführt hat. Dennoch bestand das Gros der Heere aus durchschnittlich 24jährigen Männern, überproportional aus Städten stammend, die sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatten, getrieben oft von materieller Not und schlichtem Hunger, aber auch von religiöser Verfolgung und (besonders auf Seiten der Protestanten) religiösem Sendungsbewusstsein. Nicht zuletzt war es trotz des geringen (und unregelmäßigen) Soldes, der kaum höher war als der Lohn eines Landarbeiters, vielfach einfach sicherer, sich einer Armee anzuschließen. Da die Angeworbenen keinen Eid auf eine Person oder einen Staat leisteten, sondern nur schworen, bei ihrer Fahne zu bleiben, waren sie nur dieser Fahne treu. Wurde sie erobert, durften sie ihr folgen; aber auch Fahnentreue war alles andere als selbstverständlich: Feldherren waren gewohnt, ihre Heere im Winter um die Hälfte schrumpfen zu sehen. Zwar stand die Todesstrafe auf Fahnenflucht, aber angelockt durch die Aussicht auf neue Beute kamen die meisten Fahnenflüchtigen im Frühjahr zurück. In der späteren Kriegsphase nötigte der Rekrutierungsmangel oftmals zur Pressung, nachdem bereits zuvor immer häufiger Kriegsgefangene gedungen worden waren. Jetzt wurden diejenigen zu plündernden Söldnern, die zuvor unter plündernden Söldnern gelitten hatten.
Mit der freilich wichtigen Ausnahme der Kernregimenter Gustav Adolfs wurde der Krieg fast ausschließlich mit Söldnerheeren geführt, die nicht mehr nur für einen Feldzug, sondern bis auf weiteres angeworben worden waren und ein wahres Völkergemisch vorstellten: Der Anteil der Deutschen unter den seit Beginn des 17. Jahrhunderts „Soldaten“ genannten Söldnern war hoch, doch gab es in jedem Heer auch Spanier, Wallonen, Schweizer, Dänen, Engländer, Schweden, Polen, Kroaten, Ungarn, Rumänen und sogar Türken. In einem Reich, in welchem die Fürsten gegeneinander mit dem Feind paktierten und die Bündnisse wechselten, konnte so schwerlich von einem ‚Kampf fürs Vaterland‘ gesprochen werden.
Während des Dreißigjährigen Krieges entwickelten sich die Heere zu straffer organisierten Formationen, aufgeteilt meist in Regimentern zu zehn Kompanien à 300 Mann, mit mehr oder minder klarer Befehlshierarchie der Offiziere. Solche kleineren Infanterieeinheiten waren weit mobiler als das schwerfällige spanische Terzio, das Tilly noch beibehielt und bei den Kaiserlichen erst Wallenstein aufgab. Kavallerie-Regimenter bestanden gleichfalls aus zehn Kompanien, die ihrerseits allerdings nur 60-120 Soldreiter (anstelle der früher angeworbenen Adligen und Vasallen) umfassten. Die Heeresgröße hing nicht mehr ab von der Zahl der Vasallen, sondern von der Kriegskasse. Wenn auch die frühneuzeitlichen Heere größer waren als die mittelalterlichen und oft bis zu 100.000 Mann umfassten (Parker schätzt, dass im Laufe des Krieges ca. eine Million Menschen im Kriegsdienst standen), befanden sich auf den Schlachtfeldern selten mehr als 40.000 Kombattanten. Das Anwachsen der Heere (und der Trosse) forderte genauere strategische Planung, weil es das zentrale Problem der meist unwirtschaftlich improvisierten Versorgung verschärfte, deren Ausbleiben häufig zu brutalen Übergriffen auf die Bevölkerung und zur sukzessiven Verödung des Landes durch plündernde Truppen führte. Die logistischen Schwierigkeiten – man hat errechnet, dass ein durchschnittliches Heer pro Tag ca. 225 Ochsen, 300 Zentner Brot und 90.000 Liter Bier benötigte – zwangen die Heere in die Nähe schiffbarer Flüsse: Der Nachschub konnte nur über Flusskähne und Schiffe erfolgen; die andernfalls notwendige Menge an Wagen und Zugtieren war schlechterdings nirgendwo aufzutreiben. U.a. weil Kavallerie das Beschaffen von Lebensmittel auch in einiger Entfernung von den abgegrasten Marschwegen ermöglichte, machte sie jetzt als wichtigste Waffengattung mindestens ein Drittel des Gesamtheeres aus, das im Unterschied zum mittelalterlichen Heer an operativer Beweglichkeit gewann.
Bis jetzt hatte kein Staat eine Dienstpflicht entwickelt, die es erlaubt hätte, ein ausgebildetes Heer dauerhaft unter Waffen zu halten. Und keine der kriegführenden Regierungen konnte sich solche vergleichsweise großen Heere (Spanien verfügte zeitweise über 300.000 Mann) und ihren Unterhalt leisten, sie waren auf Militärunternehmer – das berühmteste Beispiel ist Wallenstein - angewiesen, die den Werbeoffizieren im Namen der Regierung das nötige Geld vorschossen. Nicht der Kriegsherr, sondern der Unternehmer war zuständig für den Sold, was mancherlei Loyalitätskonflikte heraufbeschwor, ohne dass es in nennenswertem Umfang zu Verrat oder Meutereien gekommen wäre, wohl aber des Öfteren zu Desertionen bei ausbleibender Soldzahlung. Jedoch hat kein Militärunternehmer jemals ohne Regierungsauftrag eine Armee aufgestellt.
Da die Heere nur zum kleineren Teil aus den Eigenmitteln der Herrscher (Einnahmen aus Domänen, Steuern) bezahlt werden konnten, spielten die Subsidien, Unterstützungszahlungen befreundeter Mächte, eine wichtige Rolle. So finanzierten etwa die spanischen Habsburger ihre österreichischen Verwandten fast während des ganzen Krieges; protestantische Subsidien-Geber waren vor allem die Niederlande, zeitweilig auch England und Frankreich. Neben Krediten (die z.B. Genua Spanien oder die Niederlande Schweden gewährten) stellten Kontributionen (also erzwungene Abgaben durch Raub, Konfiskation oder Erpressung) eine weitere Geldquelle dar: Gustav Adolf etwa bat Städte zur Kasse, sofern sie denn verschont werden wollten.
Die Entwicklung der Artillerie und der Muskete, deren Handhabung einige Übung voraussetzte, entwertete die qua feudale Abhängigkeit ausgehobenen, unausgebildeten Bauerntruppen; nur Berufssoldaten konnten sich die nun erforderliche taktische Genauigkeit aneignen. War der Krieg waffentechnisch eine „Periode des militärischen Übergangs“ (Fiedler), so war er taktisch und strategisch eine Phase der (auf Seiten der Habsburger) vorsichtigen, auf (Seiten der Protestanten und besonders der Niederländer und Schweden) entschiedeneren Innovation, als wohl wichtigste die Adaption und Weiterentwicklung der nach 1590 von Moritz von Nassau in der holländischen Armee angeregten sogenannten Oranischen Militärreform einzuschätzen ist. Sie sah weniger tief gestaffelte Pikenier-Formationen als Bestandteil von insgesamt kleineren Einheiten vor, die ihre Kampfstärke wesentlich aus ihrer Feuerkraft und weniger aus dem Einsatz der Piken bezogen. Durch die Verringerung der Staffeltiefe musste sich nun eine größere Zahl von Soldaten im Kampf Mann gegen Mann bewähren; die schmaleren Linien erforderten einen hohen Grad von Disziplin (etwa zur Vervollkommnung der Salventechnik), weswegen Moritz eine Rückkehr zum altrömischen Drill verlangte. Eine Vielzahl von Publikationen verbreitete diese neue Taktik in ganz Europa. Ihr gelehrigster und einflussreichster Schüler war Gustav Adolf; er entwickelte die holländischen Reformen, die Moritz von Nassau zunächst nur mit Heeren von 10.000 Mann erprobt hatte, weiter: Die Linien des schwedischen Heeres wurden nur sechs statt zehn Mann tief gestaffelt, ihre Feuerkraft durch vier zusätzliche Feldstücke pro Regiment erhöht. Die Musketiere staffelte der Schwede nur drei Mann tief und übte mit ihnen die (vermutlich von ihm selbst erfundene) Doppelsalve. Als neue taktische Einheit führte der „forerunner of twentieth century fire tactics“ (Liddell Hart) die von mindestens neun Feldgeschützen unterstützte Brigade aus vier Schwadronen ein, von denen drei eine Pfeilformation einnahmen, während die vierte die Reserve bildete. Jeder einzelne Mann wurde einer strengen Ausbildung unterworfen, um die sich der König persönlich kümmerte. Im Feld sorgte er für unablässige Beschäftigung seiner (regelmäßig bezahlten und verpflegten und bis zu Gustav Adolfs Tod 1632 auch nicht plündernden) Soldaten, z.B. mit Schanzarbeiten, Kundschaften oder Exerzieren. Diese Neuerungen, deren Überlegenheit im offensiven Zusammenwirken aller Waffen sich erstmals in der Schlacht bei Breitenfeld (1631) erwies, waren auch für die Folgezeit von großer Bedeutung: Napoleon bat 1798/99, als er mit seinem Heer in Ägypten gebunden war, um Zusendung von Werken über den Dreißigjährigen Krieg, um sich besonders über Gustav Adolfs Taktiken zu informieren.
Im Vergleich zu den Heeren etwa der napoleonischen Zeit waren die Heere dennoch klein, ihre Waffen und ihre Organisation unvollkommen. Daher lag das Ziel militärischen Vorgehens in der Regel nicht in der Vernichtung des Gegners, sondern in der „Eroberung und Ausplünderung feindlichen Landes“ (Ortenburg) zur Schwächung des Feindes und zur Versorgung der eigenen Truppen. Hierfür spielte der Besitz größerer Städte eine wichtige Rolle. Da fast jede bedeutendere Stadt sich durch Umwallungen und Geschütze zu sichern versuchte, geriet der Dreißigjährige Krieg häufig zu einem Festungskrieg, in dem sich ca. 20 wichtige Belagerungen zählen ließen. Nur selten wurde eine Stadt entsetzt (z.B. Hanau 1636), noch seltener widerstand sie aus eigener Kraft (z.B. Stralsund 1628). Anders als etwa in den Weltkriegen bestand der Zweck von Belagerungen im Besitz des Ortes, die Ausschaltung gegnerischer Kräfte war nur das Mittel. Waren die mittelalterlichen Verteidiger eines befestigten Platzes noch im Vorteil, verschob sich durch die Verbesserung der Pulvergeschütze das Gewicht zugunsten der Angreifer, und es begann ein Wettlauf zwischen „Feuer und Stein“. Die größere Wirkung der Artillerie, die gleichwohl nur ca. 500 Meter Schussweite und eine Schussfrequenz von ca. 6-8 Schuss pro Stunde besaß, rief Festungsbauer- und planer (unter ihnen schon Albrecht Dürer) auf den Plan, die nicht mehr nur Mauern und Türme errichten ließen, sondern die Mauern mit sogenannten Niederwällen verstärkten, runde Türme zur Positionierung von Geschützen, das sogenannte Bastionärsystem und die Anlage polygonaler Festungen ersannen. Ein Angriff auf eine Festung mündete entweder in die Übergabe („Accord“) oder in einen Sturm (z.B. mit Leitern oder nach einem erfolgreichen Bresche-Schuss) mit nachfolgender Plünderung, die gleichsam als Recht der Soldateska galt; im Regelfall wurde die Garnison nach der Einnahme massakriert (so z.B. in Frankfurt/Oder und in Magdeburg 1631).
Offene Feldschlachten waren von untergeordneter Bedeutung, weil sich Sieger und Verlierer bei annäherndem Kräftegleichgewicht ähnlich verbrauchten. Ausgehend von ihrer Versorgungsbasis mussten die schwer ersetzbaren Heere vorsichtig geführt werden, wobei die große Zahl befestigter Plätze das Operieren erheblich erschwerte. Erst in der letzten Phase des Krieges ließ die hartnäckige Verteidigung der Städte nach, da einerseits drinnen wie draußen Söldnertruppen standen, die wenig Feindschaft füreinander hegten und andererseits die Übergabe bei freiem Abzug der Garnison beiden Seiten entgegenkam. Das letzte Drittel des Krieges sah wieder schnellere Bewegungen in weiteren Räumen; im Sommer 1636 drang eine spanisch-kaiserlich-bayerische Armee aus 20.000 Reitern und 12.000 Fußsoldaten tief in Nordfrankreich ein und näherte sich gefährlich Paris; wegen der Belagerung von Corbie unterblieb indes der Vorstoß auf Paris, was Richelieu Zeit gab, mit einer Art Volksbewaffnung ein Heer von 50.000 Mann zu organisieren und die Gegner zu vertreiben. 1645 stieß der schwedische General Torstensson von Sachsen über Prag bis auf Wien vor, wo ihm dann allerdings die Kräfte ausgingen. Die räumlich am weitesten ausgreifende Operation bis nach Vorarlberg unternahm der Schwedengeneral Wrangel 1646/47. So vermochten die Heere der letzten Phase zwar den Raum schnell zu überwinden, ohne ihn jedoch beherrschen zu können. Da in den schon mehrfach durchzogenen Landstrichen brauchbare Quartiere und Stützpunkte immer weniger zu finden waren, gestaltete sich die Vereinigung größerer Verbände zusehends schwieriger und die strategische Stärke eines Feldherrn bestand jetzt vor allem in der Kunst des Manövrierens.
Die militärgeschichtlich bedeutsamsten Folgen des Dreißigjährigen Krieges sind das Ende des Söldnertums in Europa und die Entstehung des stehenden Heeres. Schon die Größe der Heere und die Notwendigkeit von Winterquartieren hatten an militärische Präsenz gewöhnt und nach Verstaatlichung verlangt. Die Könige und Fürsten schufen sich jetzt eine ständige bewaffnete Macht, was die Bevölkerung nicht zuletzt von der Plage vagabundierender Soldateska erlöste. Zuvor schon bildeten die sogenannten Landesdefensionen als stehende Verbände Verteidigungsorganisationen auf territorialer Grundlage; sie bestanden indes aus ausgelosten Aufgebotspflichtigen, noch nicht aus länger dienenden Berufssoldaten und waren letztlich eine Art Miliz (die etwa als Kerntruppe Gustav Adolfs dennoch im Dreißigjährigen Krieg eine Rolle spielte). In der Frühzeit stehender Heere wurden noch keine ganzen Heere unter Waffen gehalten, sondern nur Kadertruppen, welche die organisatorische Kontinuität wahrten und eine rasche Wiederbewaffnung ermöglichten; hierfür griffen fast alle europäischen Mächte auf Veteranen des Dreißigjährigen Krieges zurück. Eine staatliche bzw. fürstliche Kontrolle des Militärs entsprang nicht zuletzt der Angst vor allzu ambitionierten Heerführern, vor einer „Militärrevolution“ oder einem „Staat im Staat“. Als sich etwa der nur von Napoleon übertroffene „greatest of politico-military adventurers“ (Liddell Hart) Wallenstein mit seinem Kontributionssystem das Besteuerungsrecht der legitimen politischen Gewalt anmaßte, da wurde solche administrative Selbstständigkeit zur Herausforderung für den Kaiser. Das Heer sollte Instrument sein nur in seinen, des Kaisers, Händen. Dass die defizitäre staatliche Organisation bedenkliche Folgen für die „Friedensfähigkeit der Armee“ (Burkhardt) zeitigte, ist schon wieder eine andere Geschichte.

4. Spielmaterial
Im Lieferumfang enthalten ist zunächst ein ca. 55x86 cm großer Spielplan, der Zentraleuropa zeigt (grob im Viereck zwischen Stockholm, Paris, Mailand/Venedig und Warschau), aufgeteilt in etwa 70 Gebiete (Länder, Fürstentümer, Bistümer etc.), die ihrerseits in einigen Fällen wiederum aus (irreführend benannten, z.B. „Saxony“ und „Saxon Duchies“ – gemeint sind die Lausitzen) Teilprovinzen bestehen. Markiert sind die Fürstentümer durch ihre Wappen, deren (zumindest beim polnischen Wappen fragwürdige) Authentizität hier nicht weiter zur Debatte stehen soll, markiert sind ferner Städte, wobei einige Merkwürdigkeiten ins Auge fallen: Die Stadt Frankfurt liegt etwa im Gebiet Mainz (das als Sitz eines Kurfürsten denselben Gebietsstatus hat wie z.B. Oldenburg oder die komplett irrelevanten Orléans und Warschau), Nürnberg – eine hart umkämpfte Freie Reichsstadt und wichtiges Wirtschaftszentrum – ist in HRE gar keine Stadt, sondern ein Gebiet oder Fürstentum, Regensburg sucht man in der Oberpfalz vergeblich, Flussnamen fehlen usw. Neben der üblichen Leiste zum Festhalten der Spielzüge befinden sich am linken Spielbrettrand noch drei (zu große) rechteckige „Off Board Zones“: Spanien bzw. die Festung von Segovia (sie wurde, am Rande bemerkt, unter Philipp IV., d.h. vor, während und nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch als Gefängnis genutzt), Frankreich bzw. den Palais des Tuileries (der nach dem Tod von Henri IV [1610] eine unbewohnte Baustelle war, die Louis XIV erst um 1660 fortführen ließ) und – natürlich – den Golf von Biskaya: Wer denkt nicht nostalgisch an die dortigen Seeschlachten im 17. Jahrhundert? Niemand. Es fanden keine statt. Insgesamt sieht die in Brauntönen gehaltene Karte aus, wie sich McLaughlin (irrtümlich) Mitteleuropa um 1600 vorstellt: eine große, verschlammte oder verbrannte Fläche, über die irgendwer eine Rolle Smarties ausgekippt hat. Neben der Hauptkarte gibt es noch ein kleineres (28x43cm), grünes Battle Board, das mit einem 6x12-Schachbrettmuster einherkommt und erst im Falle einer Schlacht mit Terrain-Details in Form von 36 Landschaftsplättchen ergänzt werden muss. Die in den inzwischen erschienenen Battle Packs gelieferten historischen Schlachten legen das Terrain selbstverständlich bereits fest – weswegen besagte Battle Packs, sieht man ab von ein paar gleichfalls enthaltenen, korrigierten Countern, mit dem Grundspiel rein nichts zu tun haben (und hier nicht weiter erörtert werden müssen).
Weiterer wesentlicher Bestandteil ist ein Deck von 72 Karten, von denen eine Karte den Römischen Kaiser Deutscher Nation und 67 Karten Fürstentümer, Länder usw. vertreten, vier Karten tragen die Namen von Söldnerführern. Zwar sind die Karten teilweise falsch bedruckt bzw. schlecht leserlich (grüne und blaue Einkommensziffern sind kaum zu unterscheiden) und insgesamt bleibt unerfindlich, warum zwar die jeweilige(n) konfessionelle(n) Ausrichtung(en)(die auch auf den Spielplan gehört hätten), nicht jedoch die mannigfachen Sonderregeln für einzelne Fürstentümer in Kurzform auf die weithin leeren Karten gedruckt wurden. Allerdings darf im Kontext des 30jährigen Krieges, zumal für McLaughlins Verhältnisse, als gelungen bezeichnet werden, dass eine Karte signalisiert, auf Wallensteins Tod folge ihm Götz von Berlichingen nach - der freilich bei Kriegsausbruch über 50 Jahre tot war. Angesichts solcher Stümpereien fallen Kleinigkeiten nicht ins Gewicht: So hob Georg von Braunschweig schwerlich je ein nennenswertes Söldnerheer aus, Georg von Arnim blieb stets der kaiserlichen Sache treu, Friedrich von Schomberg war 1618 drei Jahre alt usf. Wer außer Patton keine Feldherren kennt, sollte die Finger von Militärsimulationen lassen. Oder Wikipedia konsultieren.
Die Mehrzahl der ca. 330 Counter sind nicht militärische Einheiten oder Anführer, sondern Marker, die wiederum zum großen Teil sei es nur auf der Battle Map zum Einsatz kommen (wobei man sich die Frage stellt, was man angesichts eines eher restriktiven Stacking Limits mit über 40 Hit- oder Angriffsmarkern anfangen soll), sei es auf der strategischen Karte die Kontrolle oder den Zustand („Looted“) eines Gebietes markieren, sei es angeben, ob sich Einheiten innerhalb einer Festung befinden. Die Masse der Einheiten-Counter ist schwarz-weiß (Söldner), die wenigen nationalen Einheiten tragen die ‚Farbe‘ ihres Herkunftslandes, etwa Frankreichs (hellblau) oder Bayerns (dunkelblau) oder Schwedens (hellblau), und sind bisweilen nur an mikroskopischen Wappen zu unterscheiden. Die pinkfarbenen (!) Protestanten hingegen erkennt man zweifelsfrei von Weitem. Auf den Countern finden sich die üblichen Werte: Bewegungsreichweite und „Stacking Value“ (nur bei Anführern) sowie der Kampfwert. Warum die Kosten und die Kampfwerte der Einheit nicht harmonisiert oder den geschichtlichen Verhältnissen wenigstens grob angeglichen wurden, bleibt rätselhaft.
Jeder der bis zu sechs Spieler erhält zudem eine Kartenauslagehilfe von knapper DIN A4-Größe, auf der er sowohl die Karten der von ihm (im Sinne einer Stufenleiter) eroberten, beeinflussten und kontrollierten Fürstentümer in die hierfür vorgesehenen Felder ablegt wie auch den Stand seines Vermögens festhält und seinen Force Pool verwaltet. Hinzu tritt ein Blatt mit Tabellen und (umseitig) Zufallsereignissen, die diverse, inzwischen weitgehend korrigierte Fehler und Unklarheiten enthalten. Breitet man den Spielplan und sechs Spielerhilfen aus, reicht zum Spielen eine handelsübliche Tischtennisplatte.
HRE kommt mit zwei 24seitigen Regelheften – einem für das (strategische) Hauptspiel, einem für die optionalen taktischen Kämpfe. Sofort umweltschonend entsorgen kann man das Hauptregelheft; es quillt geradezu über von Mängeln, Widersprüchen und Regellücken. Man lade sich an seiner Statt die Version 1.5 herunter. Aus unten noch kurz angeführten Gründen eignen sich die bemüht komplexen, für ein Multiplayer Game gänzlich ungeeigneten Battle Board Rules ausgezeichnet, um schräg stehende Möbelstücke in die Waage zu bringen.

4. „Regeln“ und Spielpraxis
Ohne in irrelevante Details zu gehen – und derer gibt es in HRE viele -, ohne auch Dutzende kleinerer Mängel und Unklarheiten zu erörtern, soll hier eine Zugabfolge geschildert werden, sofern der Rezensent und seine inzwischen ehemaligen Freunde den Regeln (1.5) zu folgen imstande waren. Einerseits kein leichtes Unterfangen, da ein „extended example of play“ fehlt, andererseits wartet das Regelheft immer wieder mit ebenso überraschenden wie intrikaten Einsichten auf: „If a marker currently is on 5, for example, and the player receives 12 crowns of income, the markers move from 5 to 17 (5+12=17).“
Ein üblicher der in der Kampagne bis zu fünfzehn Spielzüge – das einzige andere Szenario verkürzt das Spiel um sechs Züge - beginnt mit der Zufallsereignis-Phase, in welcher auf einer Tabelle mit fast ausnahmslos nachteiligen Ereignissen gewürfelt wird. Nett, dass z.B. die Spanier durch osmanische Überfälle Einkommen einbüßen können. Haben die Türken mal wieder Sevilla geplündert und nicht bemerkt, dass ihr Traum von einer Weltmacht im Mittelmeer nach der Seeschlacht von Lepanto (1571) ausgeträumt war? Auch der „Baltic War“ war 1618 schon knapp 200 Jahre vorbei und der Große Nordische Krieg begann erst 80 Jahre später (1700-1721). Ein größerer italienischer Aufstand ist in Mailand, Savoyen oder Venedig (das kaum je zu Österreich gehörte) für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ebenso nicht auszumachen. Usw. Hat man diese Phase phantastischer Zufälle mehr oder weniger schadlos überstanden, folgt die Finanzen-Phase: Hier erhalten zunächst alle Spieler in der nur qua Marker/Leiste markierten Spielwährung „Kronen“ ihre Einkünfte, deren Summe sich errechnet aus Zahl und Status ihrer Gebiete: Für Fürstentum-Karten, die sich auf der Spielerauslage im „Controlled“-Feld befinden, bekommt der Spieler die vollen Einnahmen, für Karten im „Influenced“-Feld nur die Hälfte, für solche im „Conquered“-Feld nichts. Hört sich einfach an? Keine Sorge, es gibt gleich hier ein paar spielpraktisch lästige, faktisch oft unerhebliche Zusatzregeln, die den buchhalterischen Aufwand erfolgreich erhöhen: Besitzt ein Spieler ein Gebiet (bzw. eine Karte), ist aber nicht deren „original owner“, dann halbiert bzw. viertelt sich das Einkommen. Sind Teilprovinzen oder Städte feindlich (oder von einem – auch eigenen - Söldnerführer) besetzt oder geplündert, reduziert sich das Einkommen weiter, bei Fürstentümern, die nur aus einer Provinz bestehen, bis auf null. Da fast 50 Gebietskarten nur ein Einkommen von 1 oder 2 ausweisen, das dann noch halbiert bzw. geviertelt bzw. reduziert werden muss, ist die Einkommensberechnung einigermaßen umständlich. Verfügt ein Spieler über ein nur geringes Einkommen, darf er (in jedem zweiten Zug!) seine Kronjuwelen verscherbeln; er würfelt 2d6 und erhält – Realismus olé - mit ein wenig Glück die Einkünfte von ca. 5-7 Fürstentümern.
Im nächsten Schritt könnte zunächst der Unterhalt der Einheiten entrichtet werden. Könnte? Ja, nationale Einheiten (also Nicht-Söldner) muss man nicht bezahlen; sie wandern dann einfach zurück in den Force Pool auf der Spielerauslage und können später erneut aufgestellt werden. Das kostet zwar Geld, erspart aber eventuell den Rückmarsch und eskamotiert – James T. Kirk fehlt als Söldnerführer- qua Wegbeamen eigener Truppen die ohnehin meist fruchtlosen Planungen der Gegner. Auch Söldner-Einheiten zu bezahlen, ist in das Belieben des Spielers gestellt. Bezahlt er sie nicht, werden sie zu Plünderern, der Spieler verliert die Kontrolle über sie und seine Kontrahenten dürfen später auf sie bieten (siehe unten). Hernach haben die Spieler die Möglichkeit, den Status ihrer Gebietskarten um eine Stufe zu verbessern (von „Conquered“ zu „Influenced“, von „Influenced“ zu „Controlled“) und können des weiteren Truppen erwerben. Der Spieler muss zuerst alle verfügbaren nationalen Truppen kaufen bzw. angeschlagene Einheiten auffrischen und darf erst dann Söldner anheuern. Warum? Weil sich sonst die Arbeiter- und Soldatenräte beschweren? Und wenn z.B. pfälzisch-protestantische Truppen in Böhmen aufgestellt werden dürfen („may“), wo dann außerhalb Böhmens? Weil der Counter-Pool begrenzt ist, notiert jeder Spieler für sich nun seine Bestellungen für Söldnertruppen auf, die sodann – die teuersten vor den billigeren – erworben werden können. Möchten also mehrere Spieler ein paar der wenigen Gendarme (die kostspieligsten und besten Truppen des Spiels) erwerben, ist es möglich, leer auszugehen. Und unmöglich, stattdessen billigere Einheiten zu kaufen. Wer hier Sinn (oder Spielspaß) entdeckt, möge sich melden.
Treffen sich der Kaiser und der schwedische König. „Ich biete für 3 Söldner in Lothringen 6 Kronen.“ „No way“, erwidert Gustav, „ich biete 8.“ Der französische König kann nicht mitbieten, da er zuvor bei der Versteigerung Bambergs zu viel investiert hat. So oder ähnlich realistisch muss man sich den Verlauf der folgenden Phase - überschrieben „Diplomatic Bidding“ – vorstellen: Die Spieler dürfen auf Söldnerführer, plündernde Truppen (also unbezahlte Söldner) und auch Gebietskarten bieten, wobei es umständlich zu applizierende Sonderregeln gibt (der Besitz bestimmter Karten senkt den Kaufpreis anderer Karten) bzw. mehr oder minder sinnschwache Ausnahmen mit Bezug auf die Summe, die der Spieler letztlich entrichten muss; so verdoppelt sich diese Summe, wenn das zu versteigernde Gebiet einer ‚feindlichen‘ Religion anhängt – eine Regel, die sich leicht aushebeln lässt, sobald sich ein Verbündeter (siehe unten) bereitfindet, der jener Religion gleichfalls frönt, das Gebiet billig ersteigert und dann zum Selbstkostenpreis an seinen Bündnispartner weitergibt. Damit nicht genug der spielerisch meist wenig relevanten, dafür aber umso zahlreicheren Ausnahmen, z.B. für das Fürstentum von Transsylvanien oder das gleichermaßen hier uninteressante Osmanische Reich. Besitzt man bestimmte Karten, bekommt man bestimmte Truppen gratis, muss ggf. für ihren Unterhalt nicht aufkommen und/oder darf sie gratis auffrischen und/oder gratis teilweise und/oder ganz ersetzen und/oder darf mit diesen Truppen bestimmte Gebiete nicht verlassen und/oder diese Truppen nur mit einheimischen Anführern bzw. durch Aufwendung zusätzlicher Bewegungspunkte bewegen und/oder erhält keine bzw. (abhängig vom Szenario) variable Einkünfte aus dem betreffenden Gebiet usw. usf. Ganz zu schweigen von komplett unverständlichen Regularien: „Units located in the Schleswig province or Copenhagen city who are controlled by the player who controls the Kingdom of Denmark State Card in Schleswig (!?) may freely move between these two locations without requiring any fleet strength points.“ Diese und ähnliche Regeln, deren Lektüre-Dauer umgekehrt proportional ist zur Häufigkeit ihrer Anwendung, hemmen schon deswegen jeglichen Spielfluss, weil sie keinem zumindest grob einheitlichen Paradigma folgen. Der megacoole Gag, der „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gegenüber HRE zum subtilen Strategiespiel nobilitiert, liegt indes andernorts: Es ist möglich, ja, in gewisser Weise der Kern des Designs, auf (nahezu – es gibt natürlich Ausnahmen) alle Gebietskarten zu bieten, auch auf solche, die ein anderer Spieler bereits kontrolliert, wobei dieser Spieler dann mitbieten darf. Was soll das? Bzw. was soll dann die Kontrolle? Wozu dann Eroberung oder Militär?
McLaughlin hat noch weitere ahistorische Asse im Ärmel. Am Ende jeder (!) dieser Diplomatie-Phasen darf entweder derjenige, der die „State Card“ „Holy Roman Emperor“ besitzt (natürlich Firlefanz, da ein solcher „Staat“ nicht existierte) oder Spieler, die insgesamt vier oder mehr Kurfürstentümer kontrollieren, einen Reichstag einberufen. Ging die Initiative auf die Kurfürsten zurück, dann wird ggf. mit deren absoluter Mehrheit ein neuer Kaiser gewählt, der sogleich alle vom Heiligen Römischen Reich kontrollierten Gebiete sowie Nürnberg erhält. Beruft der Kaiser den Reichstag ein, können für den Spielverlauf durchaus einschneidende Edikte verabschiedet werden (was allerdings gleichfalls im Anschluss an eine Kaiserwahl erfolgen kann): Da ist zum einen das Restitutionsedikt, welches die Kosten für Gebote katholischer Mächte auf katholische Gebiete um 50% reduziert und dem Kaiser pro Spielzug fünf Kronen als päpstlichen Zuschuss beschert. Nach den bisherigen Ausführungen versteht es sich von allein, dass dieses Restitutionsedikt mit dem Restitutionsedikt von 1629, das man als Höhepunkt kaiserlicher Macht im Dreißigjährigen Krieg bezeichnen darf, nichts zu tun hat: Das von Ferdinand II. ohne (!) Zustimmung der Kurfürsten erlassene Edikt sollte den geistlichen Besitzstand auf den Stand von 1552 bringen. Nach erheblichem Widerstand auch der katholischen Reichsfürsten musste der Kaiser diese Verordnung 1635 aufheben. In HRE hingegen kann dieses Edikt beliebig oft erlassen und beliebig oft durch ein Revokationsedikt nicht nur für ungültig erklärt werden; eine solche Revokation gewährt außerdem den Schweden und Pfälzern ihrerseits nun einen 50%igen Rabatt, wenn sie auf lutherische oder calvinistische Ländereien bieten. Neben diesem historischen Quatsch dürfen die Spieler auf den Reichstagen auch sämtliche ausländischen (d.h. spanischen, französischen und schwedischen) Truppen zwingen, die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches zu verlassen bzw. ihnen bei harschen Strafen für den bannbrechenden Spieler verbieten, diese Grenzen zu überschreiten. Ach ja, und alle Teilnehmer an einem Reichstag dürfen einander im verbleibenden Spielzug (dem eine ‚reale‘ Dauer von zwei Jahren entspricht…) nicht angreifen. Wie nebenbei wirft dieser ganze Regelabschnitt den Dreißigjährigen Krieg als historischen Phänomen aus dem Zeitkontinuum. Dass zugleich Reichstage (auf denen sich die Reichsstände versammelten und die mit einer Kaiserwahl nichts zu tun hatten) und Kurfürstentage (die oft anstelle von Reichstagen einberufen wurden und auf denen jedoch nicht immer ein neuer Kaiser zur Wahl stand) verwechselt werden, verursacht beim Betrachter da nur noch ein müdes Lächeln.
An dieser Stelle lässt HRE folglich nicht nur jedweden geschichtlichen Bezug und jede Möglichkeit mittel-, geschweige denn langfristiger Planung fahren, sondern das Regelheft auch den Spieler im Stich: Folgte es zunächst der „Sequence of Play“ und war mit viel gutem Willen zumindest strukturell nachvollziehbar, löst sich diese Struktur nunmehr auf; mehr noch als zuvor muss man sich auf die Suche begeben nach verstreuten Informationen, um diese dann zu einer Ahnung von Kohärenz zu verdichten. Jedenfalls schließt sich nun die Bündnis-Phase an: die Spieler können – ungeachtet jeder historischen Plausibilität (aber wen interessiert das zum jetzigen Zeitpunkt noch?) - Bündnisse schmieden und lösen; verbündete Spieler dürfen einander Gebietskarten, Truppen oder Söldnerführer verkaufen oder schenken. Da kann dann eine Randfigur wie Wallenstein, dessen Konzept einer Reichseinheit mit klarer kaiserlicher Vormachtstellung über die Reichsfürsten „dem Deutschen Reich seinen langsamen Selbstmord bis 1806“ wohl erspart hätte (Diwald), schon mal auf Seiten der Franzosen oder der Schweden oder der Orks kämpfen. Anything goes.
Alle diese weitgehend buchhalterischen Präliminarien füllen erfahrungsgemäß mindestens 50-60% der effektiven Spieldauer, weil u.a. jeder Spieler gezwungen ist, sämtliche Kartenstapel nach eigenen wie fremden Begehrlichkeiten durchzusehen und sich gleichzeitig auf einem unansehnlichen und schlecht lesbaren Spielplan zu orientieren. Jetzt folgt das ‚eigentliche‘ Spiel, sprich: die Bewegung von Truppen sowie etwaige Kämpfe. Jetzt wird’s spannend? Nein.
Zunächst bewegt nicht der Spieler, sondern das Spiel die Plünderer, die reguläre Truppen nur in Überzahl angreifen oder in der Nähe lukrative, schwach gesicherte Gegenden plündern. Sodann greift nicht der Spieler, sondern das Spiel mit Garnisonen unabhängiger Staaten eventuelle Eindringlinge an. Da die Reihenfolge, in welcher die Spieler nun mit ihren Einheiten aktiv werden dürfen, zufällig ermittelt wird, tritt neuerlich ein strategisches Unsicherheitsmoment hinzu, das indes angesichts der oben skizzierten Unmöglichkeit jeder sinnvollen Planung kaum mehr ins Gewicht fällt.
Eigene Einheiten können sich bewegen und angreifen, sofern ein Anführer sie begleitet, seine Werte bestimmen den Umfang des jeweiligen Heeres (des Stacks) und die Bewegungsreichweite. Oder auch irgendwie nicht, denn für das Durchqueren eigener und alliierter (!) Gebiete muss kein Bewegungspunkt aufgewandt werden. Da sich nun die Bündnisse in der unmittelbar vorgängigen Spielphase geändert haben können, weiß der Feldherr erst jetzt, ob er von Württemberg bis Metz oder wahlweise bis Königsberg marschieren kann. Darüber hinaus sind Eilmärsche möglich, in der Spielpraxis jedoch selten, weil man ungern eine Auflösung des halben Heeres in Kauf nimmt. Maritime Einheiten können Truppen transportieren, was (gänzlich zeituntypische) amphibische Unternehmen gestattet.
Trifft ein Heer auf gegnerische Truppen kommt es zur Schlacht, wobei offene Feldschlachten von Kämpfen um befestigte Plätze unterschieden werden (die seltenen Seegefechte dürfen hier unberücksichtigt bleiben). Grundsätzlich können Landschlachten strategisch oder taktisch, d.h. auf dem mitgelieferten Battle Board geschlagen werden. Wie oben gesagt: Dieses Battle Board ist ein nacktes, grünes Feld mit Schachbrettmuster und muss zunächst mit Terrain versehen werden, was ein Auswürfeln von Flüssen, Brücken, Städten, Wäldern, Hügeln, Feldbefestigungen usw. erfordert: Die „Battle Board Rules“ beinhalten sechs Seiten mit Regeln für die Gestaltung des Terrains. Während also zwei Spieler auswürfeln, ob das Schlachtfeld ggf. doch eine Hecke aufweist, können die anderen (bis zu) vier Spieler die Eiger-Nordwand besteigen oder eine Promotion über bulgarische Barocklyrik abschließen. Bei den dieser Besprechung zugrundeliegenden Test-Partien wurde daher auf die Nutzung der für ein strategisches Multi-Player Game bestenfalls kropfartigen Battle Board-Option verzichtet. Um Einzelschlachten auszuspielen, ist ohnehin z.B. „Saints in Armor“ (GMT; 2012) weit besser geeignet.
Beim strategischen Kampf reihen die Gegner ihre Truppen einander gegenüber auf; jede Einheit greift an und muss mit einem sechsseitigen Würfel kleiner/gleich ihrem Kampfwert würfeln, um einen Treffer zu erzielen, den der Gegner jeweils einer seiner Einheiten ‚zuteilt‘. Die leichte Artillerie (die nicht eigenständig feuern kann) darf zuvor mit einer anderen Einheit kombiniert werden, deren Kampfwert sich so um eins erhöht. Anführer darf man als leichte Kavalleristen kämpfen lassen oder in gleicher Weise einer anderen Truppe beigesellen. In der konkreten Umsetzung ist dies recht ‚fieselig‘, und Generäle wie der bei Kriegsbeginn sechzigjährige Tilly sind als Anführer einer Kavallerie-Attacke schwer vorstellbar. Da aber die meisten Einheiten ohnehin nach einem Treffer eliminiert werden, sind diese Schlachten zumindest rasch erledigt. Der Festungskampf gestaltet sich nur unwesentlich komplizierter. Sofern der Angreifer nicht unmittelbar und bei Vorteilen für den Verteidiger zum Sturm ansetzt, wird die eigentliche Belagerung erst im nächsten Zug des Verteidigers (in Spielzeit formuliert also ggf. zwei Jahre später!) ausgetragen, wobei der belagerte Spieler ein Heer zur Entsetzung entsenden, einen Ausbruch riskieren oder einfach auf der „Siege Resolution Table“ würfeln kann, deren Modifikatoren aus Sicht des Rezensenten der Artillerie ein zu großes Gewicht beimessen. Belagerter und Belagerer können sich – ggf. gegen Lösegeld - auch auf eine ehrenvolle Übergabe („Honors of War“) einigen, die dem Verteidiger erlaubt, sich in ein befreundetes Gebiet (das durchaus vier bis neunzehn Fürstentümer entfernt liegen darf) zurückzuziehen. In der historischen Realität waren solche „Accords“ zwar durchaus nicht selten, in einem Spiel, das für den Angreifer im Erfolgsfall die Übernahme von 50% der gegnerischen Söldner in sein Heer vorsieht, ergeben sie freilich kaum einen Sinn.
So plätschert das Spiel gleichsam bergauf drei bis fünf Stunden vor sich hin. Sieger einer Partie ist, wer 30 oder mehr Gebietskarten besitzt und entweder Kaiser ist oder vier Kurfürstentümer kontrolliert. Steht bis zum zehnten Zug kein Sieger fest, wird am Schluss jedes weiteren Zuges gewürfelt, ob das Spiel endet; dann gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten, die sich aus den Einkünften der kontrollierten bzw. beeinflussten Gebiete errechnen. Außerdem sieht HRE Bonus-Punkte vor - u.a. „Dynastic Bonus Points“ (als spielten Dynastien eine kriegsentscheidende Rolle) -, deren Vergabe erneut für jede Kriegspartei und für jedes der beiden Szenarien gesondert (uninteressant) geregelt ist.

5. Fazit II
Es ist bedauerlich, dass McLaughlin, dem die Spielergemeinde durchaus ansprechende (z.B. „The Napoleonic Wars“; GMT 2002), ja gehaltvolle Simulationen (z.B. „Rebel Raiders on the High Seas“; GMT 2013) verdankt, mit HRE ein schimmeliges Essen der Vorwoche aufwärmt. Als freilich aufwändiger, bisweilen militant Spielfreude verweigernder Zeitvertreib mag HRE durchaus dem einen oder anderen zusagen. Als historische Simulation ist HRE ärgerlich, da das Spiel beliebige Versatzstücke der geschichtlichen Wirklichkeit aufgreift und unbeholfen zu einem Fantasy-Produkt zusammenschustert, das „Chrome“ oder Atmosphäre mit der Akkumulation unerheblicher oder nur hinderlicher, miserabel erklärter wie schwer auffindbarer Ausnahmeregeln verwechselt. HRE beleidigt jeden rudimentär zum Denken befähigten Zeitgenossen, es kränkt jeden leidlich an Geschichte interessierten Schüler. Dass auf Webseiten wie z.B. Consimworld hier und da sogar ernsthaft über dieses Machwerk diskutiert wird, erklärt aber vielleicht, warum in den USA D. Trump Präsidentschaftskandidat wurde.

Literatur
Bogdan, H., La Guerre de Trente Ans. 1618-1648, Paris 1997.
Burkhardt, J., Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt/Main 1992.
Diwald, H., Wallenstein. Eine Biographie, München 1969 u.ö.
Fiedler, S., Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Landsknechte, Koblenz 1985 (= G. Ortenburg [Hg.], Heerwesen der Neuzeit, Abteilung I: Das Zeitalter der Landsknechte, Bd. 2).
Langer, H., Der Dreißigjährige Krieg – Hortus Bellicus, (Leipzig 1978; 3.Aufl.) Gütersloh 1982.
Liddell Hart, B.H., „Gustavus Adolphus – Founder of Modern War“ und „Wallenstein – The Enigma of History“, in: ders., Great Captains Unveiled (1927), New York 1996, S. 75-203.
Neuhold, H., Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden 2011.
Ortenburg, G., Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Landsknechte, Koblenz 1984 (= G. Ortenburg [Hg.], Heerwesen der Neuzeit, Abteilung I: Das Zeitalter der Landsknechte, Bd. 1).
Parker, G., Der Dreißigjährige Krieg (übers. U. Rennert), Frankfurt/Main, New York 1987.
Schiller, F., Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (1792, diverse Ausgaben).
Wedgwood, C.V., Der Dreißigjährige Krieg (1938) (übers. A.G. Girschick), Hamburg 2011.

Lektüreempfehlung
Grimmelshausen, H.J.Chr. von, Der abenteuerliche Simplicissimus (1668/69) (u.a. im Reclam-Verlag; Hamburg 1986 u.ö.).

Dr. R. Billermann, Singen, November 2016
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